Junior Science Café zum Thema: Was ist Leben?

Mit viel Vorfreude auf die abendliche Podiumsdiskussion zum Thema „Was ist Leben? verwandelten Schülerinnen und Schüler der Juniorsciencecafé-AG bereits am Nachmittag des 12. Dezembers 2025 die Aula der Schule in ein gemütliches Café für das Publikum. Kerzen zierten adventlich geschmückte Tischgruppen und das gedämpfte Scheinwerferlicht sorgte für eine freundliche Atmosphäre.

Um 18 Uhr startete die Veranstaltung. Rhetorisch geschickt begrüßte Magdalena Schmidt alle Gäste, besonders die Schulleitung sowie die ehemalige Schulleitung, Schülerinnen und Schüler, Eltern und vor allem die Experten des Abends: Prof. Dr. Andreas Brunschweiger (Chemie) und Prof. Dr. Karl Mannheim (Astrophysik) aus Würzburg, Prof. Dr. Jens Bredenbeck aus Frankfurt und den Fuldaer Dekan Dr. Thorsten Waap. Bevor die eigentliche Diskussion begann, kündigte Magdalena Schmidt zwei Schülerinnen aus der 9. Klasse an, die vor kurzem den 2. Bundespreis beim Bundesfinale von Jugend präsentiert gewonnen hatten: Jolina und Olivia Kratz. Mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz führten die beiden in das Thema des Abends ein, indem sie die Frage „Sind wir alle aus Sternenstaub gemacht?“ beantworteten. Nach einer kurzweiligen Vorstellungsrunde der Experten nahm Catharina Schmidt, die Moderatorin des Abends, das Heft in die Hand und führte gekonnt und absolut fachkundig durch den Abend.

Dabei wurden zunächst Fakten zusammengetragen, die für die eigentliche Diskussion wichtig waren: Professor Mannheim erläuterte zu Beginn die Entwicklung des Weltalls und des Sonnensystems, indem er hervorhob, dass alles mit einem zufälligen Ungleichgewicht der Elementarteilchen in einer Singularität begonnen habe. Die Entwicklung des Lebens auf der Erde schließlich sei von vielen, auch zufälligen Prozessen abhängig gewesen, beispielsweise bei dem Zusammenstoß der Erde mit dem Planeten Thea. Als Folge dieses Ereignisses sei unser Mond entstanden, der wiederum aufgrund seiner Gezeitenwirkung sehr wichtig für den Biorhythmus aller Organismen unserer Erde sei. Dass die Naturkonstanten so sind, wie sie sind, könnten die Physiker nicht erklären, aber „Es ist gut, dass sie so sind, sonst gäbe es ein Leben wie das, was wir kennen, nicht.“, so Mannheim. Voraussetzung für die Entwicklung des Lebens sei vor allem das Vorhandensein von Wasser als Transportmittel für alle Bausteine sowie die Bereitstellung von Energie aus der Sonne gewesen, so Professor Brunschweiger. Zudem brauche es bei der Entstehung von Leben eine Abgrenzung von „innen“ zu „außen“, also eine Membran, die die Entstehung des Lebens erst möglich gemacht habe. Jede Lebensform brauche außerdem die Fähigkeit, Informationen weitergeben zu können und zu lernen. Der Stoffwechsel als Motor für die Bereitstellung von Energie sei ebenso allen Lebewesen gemeinsam. Wann nun genau das Leben begonnen habe, und wer der erste gemeinsame Vorfahre (LUCA) gewesen sein könnte, war ebenso Gegenstand der weiteren Diskussion, wie auch die spannende Frage nach außerirdischem Leben. Professor Mannheim erläuterte, dass dieser erste Vorfahre gar nicht auf der Erde, sondern in durchfeuchteten porösen Kometen entstanden sein könnte. Bausteine dafür habe es im Weltall genügend gegeben und gäbe es noch immer. Dass wir noch kein außerirdisches Leben beobachtet hätten, heiße nicht, dass es keines gäbe – im Gegenteil, so Professor Bredenbeck: „Von allem, was wir wissen, ist es extrem wahrscheinlich, dass es da draußen Leben gibt“.

Besonders interessant wurde die Diskussion immer dann, wenn Dekan Dr. Waap mit in die Diskussion einstieg. Die Frage nach der Rolle Gottes beim Erstellen des Bauplans des Lebens flammte in der Diskussion mehrmals auf. Wer von den Zuhörern jedoch dachte, dass es dabei zu streitbaren Ansichten zwischen den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften kommen würde, wurde eines Besseren belehrt. Die Demut vor dem, was Leben ist und was es ausmacht, spiegele sich sowohl in der materiellen Definition der Naturwissenschaftler als auch in der Haltung der konfessionellen und philosophischen Deutung dessen, was als Leben angesehen wird. Leben, so der Dekan, sei eine Verbindung aus einem irdischen und einem, wie auch immer gearteten, höheren Prinzip, das man als Gott bezeichnen könne. Leben sei Liebe. Professor Mannheim resümierte, dass das Leben eine selbstorganisierte Form der Materie sei, die zu Erkenntnissen befähigt sei. Das, was dabei am meisten erstaunt, sei, dass es dem Menschen als höchste Form der Evolution, gelänge, Erkenntnisse zu gewinnen – naturwissenschaftliche Erkenntnisse, die für den Bauplan eines hochgradig chaotischen Universums verantwortlich seien. Professor Bredenbeck warf bei seinem Fazit die Frage auf, warum man definieren möchte, was Leben ist. Je nachdem, ob man ethische, naturwissenschaftliche oder philosophische Fragestellungen diskutieren wolle, benötige man eine andere Antwort. Professor Brunschweiger nahm bei seinem Schlussstatement die menschliche Warte in den Fokus. Leben mache für ihn zu einem großen Teil das aus, was man nicht erklären könne. Wir würden uns wesentlich von anderen Lebewesen wie beispielsweise Bakterien unterscheiden, indem wir Fragen stellen und nach dem Sinn des Lebens suchen würden.

Am Ende einer spannenden Diskussion bedankte sich Catharina Schmidt sehr herzlich bei allen Mitwirkenden, besonders bei den Experten, bei Olivia und Jolina Kratz, bei der Bühnentechnik unter Leitung von Herrn Haubs bei Paula Beres und Charlotte Freund, die das Catering des Abends organisierten, und bei Herrn Lindenthal, dem Leiter der Juniorsciencecafé -AG. Ebenso herzlich bedankte sich der Schulleiter Herr Müller bei all diesen Akteuren und hob besonders die Qualität dieser Veranstaltung hervor. Bemerkenswert sei es, dass so eine Veranstaltung von Schülerinnen und Schülern organisiert werde, die sich projektartig in Teams zusammenfinden und eigenständig agierten. Das Juniorsciencecafé passe hervorragend in das naturwissenschaftliche Konzept der Winfriedschule als MINT-EC – und als Jugend präsentiert-Schule, indem es Wissenschaft und Rhetorik kombiniere.

Martin Lindenthal