„Könnt ihr euch vorstellen, dass es so etwas wie Deportationen auch heute in Deutschland geben kann?“
Diese Frage stand am Dienstag, den 11.11.2025, nicht nur im Raum, sondern sie bot den zentralen Impuls für ein intensives Gespräch mit Ethan Bensinger. Aber schauen wir uns das Ganze einmal chronologisch an.
Die AG Jüdisches Leben der Winfriedschule hat zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 in Fulda wieder die E-Phase in die Aula eingeladen. Dort wurde der Dokumentarfilm „Der Gerechte aus Fulda“ von ebengenanntem Ethan Bensinger, einem ehemaligen Anwalt aus Chicago, gezeigt. Der Film zeigt auf eindrückliche Art und Weise die Schrecken des Holocausts am lokalen Beispiel in Fulda.

Dies wird verdeutlicht, da Herr Bensinger selbst familiäre Wurzeln in Fulda hat, wie viele Jüdinnen und Juden, und diese Wurzeln führten ihn an die Haustür von Familie Schuhej. Diese Fuldaer Familie hat über Jahrzehnte Tischdecken aufbewahrt, welche von Hugo Sichel, einem Verwandten Ethan Bensingers, an Paul Römhild, den Vater von Frau Schuhej, zur Aufbewahrung gegeben wurden. Herr Bensinger spricht bei dieser Übergabe von „einer echten Wiedergutmachung“ und macht Paul Römhild zu dem stillen Helden seines Filmes, einen „Gerechten unter den Völkern“.
Im Anschluss an den Film fingen wir erste Eindrücke der Schülerinnen und Schüler ein, welche am Beamer visualisiert vor allem die Begriffe „emotional“, „bewegend“, „berührend“ und „aufklärend“ betrafen.
Wir fragten anschließend die Anwesenden der E-Phase, ob sie wussten, dass solche Deportationen stattgefunden haben, und zuletzt, ob sie sich vorstellen könnten, dass so etwas heute noch einmal in Deutschland geschehen kann. Nach kurzer Bedenkzeit wurde klar, dass der Großteil des Jahrgangs so etwas für möglich hält.
Herr Bensinger nahm dieses Thema auf und berichtete über den Alltag in den USA, wo Menschen täglich mit der Angst leben, dass sie von der Behörde ICE aufgegriffen und unter anderem in sogenannte „detention facilities“ gebracht werden. Auf die Frage, ob denn Amerikanerinnen und Amerikaner nicht von der deutschen Geschichte der Deportationen während der NS-Zeit wüssten, entgegnete Bensinger, dass oft nicht nur die Schulbildung dieses Thema nicht vorsehe, sondern sogar große Einschnitte in der Art und Weise vorgenommen werden würden, wie in den USA die eigene Geschichte unterrichtet werden solle.
Die 90 Minuten vergingen wie im Flug und mit den letzten Fragen der Schülerinnen und Schüler an Herrn Bensinger, welcher betonte, dass er gerne wieder an die Winfriedschule im kommenden Jahr 2026 zurückkehren möchte, beendeten wir mit einer Schweigeminute für die Opfer des Holocausts in Fulda die Veranstaltung.
(Thorben Emmerich)






