Politik findet nicht nur im Unterricht statt – und auch nicht nur im Hessischen Landtag in Wiesbaden. Im Rahmen des Hessentags in Fulda hatten gleich zwei Klassen der Winfriedschule die Gelegenheit, Landespolitik unmittelbar zu erleben.
Die Klasse E-FL2 besuchte gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer Lukas Kaufmann die öffentliche Sitzung der CDU-Landtagsfraktion im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses. In besonderer Atmosphäre konnten die Schüler verfolgen, wie eine Landtagsfraktion tagt, welche Themen im politischen Raum besprochen werden und wie Abgeordnete, Minister und weitere Gäste miteinander ins Gespräch kommen.
Die Schüler der E-FL2 durften eigene Fragen stellen und erhielten direkte Antworten aus der Landespolitik. So wollte die Klasse unter anderem wissen, warum in Hessen bei der Wahl der Leistungskurse bestimmte Fächergruppen verpflichtend berücksichtigt werden müssen und weshalb Kombinationen wie Deutsch und Politik und Wirtschaft nicht ohne weiteres möglich sind. Kultusminister Armin Schwarz verwies dabei auf die besondere Stellung des Faches Deutsch, das nicht abwählbar sei und im Abitur eine zentrale Rolle spiele. Zugleich betonte er die Bedeutung von Fremdsprachen und Naturwissenschaften.


Auch die Frage, ob Schulnoten abgeschafft werden sollten, beschäftigte die Schüler. Der Kultusminister machte deutlich, dass Noten zwar nicht alles seien, aber dennoch Leistungen sichtbar machten und für Abschlüsse, Versetzungen und weitere Bildungswege eine wichtige Orientierungsfunktion hätten.
Darüber hinaus kamen weltanschauliche Fächer wie Religion und Ethik zur Sprache. Der Landtagsabgeordnete Thomas Hering erläuterte, dass diese Fächer fest im Curriculum verankert seien, ein Wertegerüst bieten und zugleich durch Religionsfreiheit und Religionsmündigkeit ab dem 14. Lebensjahr Wahlmöglichkeiten bestehen. Auch das Schülerticket wurde thematisiert. Der Landtagsabgeordnete Christian Wendel erklärte, dass der Schulweg grundsätzlich abgesichert werde, eine allgemeine Ausweitung jedoch organisatorisch und finanziell schwierig sei.
Frau Azar besuchte mit der Klasse 9FL2 die öffentliche Sitzung der SPD-Landtagsfraktion im Esperanto-Hotel. Bunt gemischt mit den Fraktionsmitgliedern an den Tischen sitzend, erlebten die Schülerinnen und Schüler hautnah, wie Landespolitik funktioniert und welche Themen derzeit auf der Tagesordnung stehen: frühkindliche Bildung und Kitaausbau, Klimaschutz sowie Fragen der Demokratieförderung. Ein besonderes Highlight war der Auftritt von Georg-Christian Zinn, dem Sohn des ersten hessischen Ministerpräsidenten, der gemeinsam mit seiner Tochter über das Leben und Erbe seines Vaters berichtete. Dessen Leitgedanke „Hesse ist, wer Hessen sein will“ zog sich als roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.
Die Klasse nutzte die Gelegenheit, selbst Fragen zu stellen. Zur inneren Sicherheit in Fulda wollten die Schülerinnen und Schüler wissen, welche Rolle die Landespolitik dabei spielt. Das Thema Vermögens- und Erbschaftsteuer gab Anlass zur Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit und die Frage, wie Wohlstand in der Gesellschaft fairer verteilt werden kann. Darüber hinaus interessierte die Klasse, wie sich Hessen als Bundesland zu außenpolitischen Entwicklungen verhält. Auch die Frage, ob demokratische Parteien insgesamt mehr Präsenz zeigen sollten, gerade in den sozialen Medien, wurde offen diskutiert. Für alle Fragen standen Abgeordnete sowie Ministerinnen und Minister direkt Rede und Antwort.
Für beide Klassen wurde der Hessentag damit zu einem außerschulischen Lernort im besten Sinne: Politik wurde nicht nur abstrakt besprochen, sondern konkret erlebt. Gerade für das Fach Politik und Wirtschaft ist ein solcher Einblick besonders wertvoll, weil Schülerinnen und Schüler sehen können, dass politische Fragen nicht nur in Schulbüchern stehen, sondern tatsächlich verhandelt, beantwortet und kontrovers diskutiert werden.
Von Frau Azar und Herrn Kaufmann